Mobility Oct 06, 2021

IAA Mobility 2021 – Kollaborationen werden großgeschrieben

Im September fand in München die IAA Mobility 2021 statt, eine der weltweit führenden Ausstellungen im Mobilitätsbereich. Die zentrale Frage der Veranstaltung lautete: Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus? Die Teilnehmer waren sich einig: Die Branche steht vor einem komplexen systemischen Umbruch. Eine radikale Transformation erfordert ein funktionierendes Innovationsökosystem und vor allem: Zusammenarbeit. Getreu diesem Motto kündigten viele bayerische Unternehmen auf der Messe spannende neue Partnerschaften an. Wir stellen Ihnen einige der neuen Kollaborationen vor.

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Vom 7. bis 12. September 2021 fand die weltberühmte Messe IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) erstmals in München statt – mit einem neuen Konzept und mit einem erweiterten Namen: IAA Mobility. Da sich die Mobilität neu formiert, war die Veranstaltung keine reine Autoshow mehr, sondern eine Plattform für die digitale und nachhaltige Mobilität der Zukunft. Nicht nur das Messegelände, sondern die ganze Stadt wurde zu einem Ort, an dem man Mobilität erleben konnte.

Im Bereich der Produktentwicklung wurden zwei bemerkenswerte neue Partnerschaften unter Beteiligung bayerischer Unternehmen bekannt gegeben:

Schaeffler und Mobileye wollen selbstfahrende Shuttles industrialisieren
Der Herzogenauracher Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler und die israelische Intel-Tochter Mobileye, ein Anbieter von Lösungen für das automatisierte Fahren, haben eine langfristige Kooperation vereinbart. Die Antriebs- und Fahrwerkskompetenz von Schaeffler ergänzt sich ideal mit dem langjährigen Know-how von Mobileye im Bereich Fahrerassistenz und autonomes Fahren. Das Ziel: die Entwicklung von autonomen Shuttles bis zur Serienreife.

Das Rolling Chassis von Schaeffler ist eine flexible, skalierbare Plattform für fahrerlose Mobilitätslösungen zum Transport von Personen, Gütern oder für Sonderanwendungen wie mobile Ladelösungen oder Pop-up-Stores auf Rädern. Das selbstfahrnede System Mobileye Drive™ seinerseits basiert auf zwei Kernkonzepten: dem Responsibility-Sensitive Safety-Modell für sichere Entscheidungen und einer Umgebungserfassung, welche Kameras und Radar/Lidar kombiniert.

Ballard liefert Motoren, Quantron das Fahrzeugdesign
Das kanadische Unternehmen Ballard Power Systems und die Augsburger Quantron AG gaben am ersten Tag der IAA Mobility 2021 eine wichtige Partnerschaft bekannt. Ihr Ziel: die Entwicklung von Elektro-Lkw mit Wasserstoff-Brennstoffzellen. Quantron wird die neueste Generation der FCmove-Brennstoffzellen-Energiemodule von Ballard in seine Elektro-Lkw-Plattformen integrieren.

Die erste Auslieferung von Brennstoffzellen-Elektrostaplern ist für die zweite Hälfte des Jahres 2022 in Deutschland geplant. In Europa stehen den Betreibern von Fahrzeugflotten verschiedene staatliche Subventionen und Anreize zur Verfügung. Deutschland hat sich kürzlich verpflichtet, bis zu 80 Prozent der Kosten für die Umrüstung von Verbrennungsmotoren auf alternative Antriebe durch das Förderprogramm für Elektromobilität zu übernehmen.

Auch im Bereich der multimodalen Mobilität, also der Nutzung mehrerer verschiedener statt nur einer Mobilitätsform, hat sich viel getan:

Sixt, Mobileye und NIO bieten Robotaxi-Service an
Der Münchner Autovermieter Sixt und die Intel-Tochter Mobileye werden ab dem kommenden Jahr einen Robotaxi-Service mit selbstfahrenden Fahrzeugen anbieten. Die Fahrzeuge sollen in fast allen Situationen selbst fahren können, in der Nomenklatur des autonomen Fahrens entspricht dies Level 4 von 5 möglichen. Ein Sicherheitsfahrer wird zunächst noch anwesend sein, aber nur in Ausnahmefällen eingreifen. Umgesetzt wird das Konzept mit einem siebensitzigen Fahrzeug des chinesischen Herstellers NIO, das mit Mobileye-Technologie aufgerüstet wurde. Dazu gehören Lidar-Sensoren, zahlreiche Kameras für die Rundumsicht und Radarsensoren hinter den vorderen und hinteren Stoßfängern.

Brose und Bode kooperieren bei People Movers
Autonom und intelligent navigierende Shuttlebusse für bis zu 15 Fahrgäste, sogenannte People Mover, werden den Personenverkehr der Zukunft prägen. Brose, einer der weltweit führenden Automobilzulieferer mit Sitz im fränkischen Coburg, hat gemeinsam mit Bode, einem Hersteller von Fahrzeugtürsystemen, ein Zugangskonzept für People Mover entwickelt. Es umfasst Bedienoberflächen, Hinderniserkennung und Technik zum vollautomatischen Öffnen und Schließen von Fahrzeugtüren.

Außerdem entwickelt Brose barrierefreie Lösungen für den Zugang und zeigt ein Konzept für sicheres, komfortables Stehen und Lehnen während der autonomen Fahrt.

Mobility Kollaborationen in Bayern: Es braucht mehr als eine Branche

Unter diesem Motto haben wir eine Paneldiskussion veranstaltet und gezeigt, wie branchenübergreifende Innovationen in einem gut funktionierenden Ökosystem gedeihen.

 

Auch bayerische Kooperationen aus Wirtschaft, Forschung und Verwaltung stellten auf der IAA Mobilität ihre Projekte vor:

Mobilitätsregion Ingolstadt:
Industrie, Verwaltung und Wissenschaft haben sich zusammengeschlossen, um Ingolstadt zu einer Pilotstadt für Mobilitätstechnologien der Zukunft zu machen.

Auf der IAA präsentierte sich die Initiative als "Reallabor" für vernetzte Mobilität. Die Stadt stellt Teststrecken und -felder im öffentlichen Raum zur Verfügung und begleitet verschiedene Forschungs- und Zukunftsprojekte im Bereich des vernetzten autonomen Fahrens und der Urban Air Mobility. Mit einer zukunftsorientierten digitalen und physischen Infrastruktur können neue Technologien unter realen Bedingungen entwickelt und getestet werden. Die Optionen sind hierbei vielfältig: von Tests bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn über die Anwendung von 5G, modernsten Sensoren und intelligenten Ampeln bis hin zum Autonomen Valet Parking.

Ebenfalls auf der Messe vertreten: der Start-up-Inkubator brigkAir, der Teil der Urban Air Mobility Initiative am Testairport in Manching ist. Hier entsteht ein Netzwerk von über 80 regionalen und überregionalen Akteuren, die gemeinsam ein Testfeld für urbane Luftmobilitätstechnologien schaffen.
 

Schließlich wurde kurz vor der IAA eine wichtige Ankündigung gemacht, die Bayerns Zukunft als führendes mobilitätsübergreifendes Innovationszentrum maßgeblich mitgestalten wird:

Pfeffenhausen als nationales Wasserstoff-Forschungs- und Innovationszentrum ausgewiesen
Die bayerische Stadt Pfeffenhausen wird einer von vier Standorten für das Nationale Innovations- und Technologiezentrum Wasserstoff. Das bayerische Konsortium für Pfeffenhausen besteht aus den Unternehmen Hynergy GmbH, Ludwig-Bölkow-Systemtechnik (LBST), MR PLAN, TesTneT, TÜV SÜD, den Universitäten Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und Technische Universität München (TUM) sowie der Forschungseinrichtung Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien (HI ERN). Über 40 Verbundpartner vor allem aus der Fahrzeug- und Zulieferindustrie unterstützen den Standort. Das WTAZ Pfeffenhausen kann damit auf weltweit führende Kompetenzen bei der Prüftechnik, Zertifizierung und Standardisierung von Wasserstoff-Schlüsseltechnologien wie zum Beispiel Brennstoffzellenantrieben oder Tank- und Betankungssystemen aufbauen.

Erfahren Sie hier mehr über Cross-Industry-Innovationen in Mobility & Aerospace in Bayern.